Asylantrag abgelehnt!

Es ist so traurig und unfassbar, dass mir die Worte fehlen. Bakar, 18 Jahre alt, Flüchtling aus Gambia hat sein Land verlassen, als er 15 Jahre alt war. Abgesehen davon, dass er kaum Chancen auf eine solide Ausbildung in seinem Heimatland hat, drohen ihm Verfolgung, Misshandlung und Gefängnis – einfach nur, weil ein wahnsinniger Despot in seinem Heimatland seine Macht sichern will. Bakar hat fürchterliche Dinge erlebt. Er wurde in Ungarn und Griechenland geschlagen, erniedrigt, gedemütigt und eingesperrt. Einfach nur, weil er Afrikaner und Flüchtling ist. Er war auf einem Boot mit 100 anderen Flüchtlingen: alten und jungen Menschen, Männern, Frauen und Kindern. Er hat Menschen sterben sehen, hat selbst einige Male nur mit viel Glück überlebt.

Als er Mitte des letzten Jahres endlich in Deutschland angekommen ist, war er völlig eingeschüchtert und stark traumatisiert. So habe ich ihn kennen gelernt. Nach und nach hat er sich geöffnet, hat wieder Vertrauen gefasst, angefangen zu glauben, dass es auch für ihn eine Chance auf Glück und Frieden geben kann. Nachdem er vom Auffanglager Mannheim nach Esslingen in ein Asylbewerberheim verlegt worden war, hat er begonnen Deutsch zu lernen. Er hat Menschen kennen gelernt, Freunde gefunden. Freunde, die ihm jetzt vielleicht sogar sein Leben retten. Denn der Friede hat nicht lange gehalten. Im November 2014 kam die Ausweisung – Ablehnung des Ayslantrags, Ausweisung nach Ungarn aufgrund des Dublin 2 Abkommens und der sicheren Drittstaatenregel. Nach Ungarn soll er abgeschoben werden – in das Land, in dem er misshandelt und geschlagen wurde, in das Land, aus dem er Narben am ganzen Körper davon getragen hat.

Wir haben einen Anwalt beauftragt. Eilanträge wurden gestellt. Und abgelehnt. Dann die endgültige Ausweisung im Februar 2015. Ausweis abgeben. Schnell mussten wir handeln, seine deutschen Freunde in Esslingen, zwei Jungs Anfang 20, deren Eltern und ich. Wir haben telefoniert, Entscheidungen getroffen und Bakar schließlich in die Psychiatrie einweisen lassen. Diagnose: Trauma und Selbstmordgefahr. Die einzige Chance für ihn nicht nach Ungarn geschickt zu werden, wo er ins Gefängnis gesteckt werden würde, wie alle Flüchtlinge die in Ungarn landen. Aus der Psychiatrie darf niemand abgeholt und ausgewiesen werden.

Eine Lösung war das nicht – aber zumindest hat uns das Zeit verschafft. Seit heute ist er wieder draußen. Er übernachtet bei Freunden, ist froh und gleichzeitig sehr verunsichert. Er versteht nicht, was mit ihm passiert. Er will doch nur lernen und eine Chance bekommen. Morgen beginnt sein Deutschkurs. Übermorgen muss er seinen Ausweis abgeben. Die einzige Chance die wir haben ist Kirchenasyl. Mehr wissen wir nicht – aber wir werden alles tun, damit er bleiben kann.

Mein Aufruf an Euch alle: bitte teilt diesen Artikel. Bakar ist kein Einzelfall. Die Flüchtlinge brauchen dringend unsere Hilfe. Wir können so viel tun:  Anwälte organisieren, da sein, uns kümmern. Es geht nicht darum, ein paar aussortierte Klamotten abzugeben (das ist schön und großzügig, reicht aber nicht aus!), es geht darum, wirklich zu helfen. Refugees Welcome darf kein Lippenbekenntnis bleiben!

Wer helfen will:

www.proasyl.de

www.amnesty.de

Und wer noch mehr helfen will: ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht damit, die Menschen einfach anzusprechen. Da zu sein. Zu sehen, was getan werden kann. Dazu möchte ich Euch alle ermutigen. Helfen hilft – egal wie.

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